Vietnam ist lang. Klingt nach einem langweiligen Fakt, bis du in der elften Stunde im Schlafbus liegst, und dann ist es plötzlich das Wichtigste, was du über dieses Land wissen musst. Sechzehnhundertfünfzig Kilometer von oben nach unten, und die beiden Enden haben anderes Wetter, anderes Essen und fast schon einen anderen Akzent.
Genau diese Länge ist aber auch der Punkt. Du fängst im Norden an, mit Nebel über den Bergen und einem Pulli an, und hörst im Süden schwitzend am Strand auf. Dazwischen: eine alte Kaiserstadt, eine Küstenstraße, über die Motorradmagazine Gedichte schreiben, Höhlen so groß wie Kathedralen und eine Stadt mit vierzehn Millionen Menschen und ungefähr genauso vielen Rollern.
Es ist günstiger als Thailand, anstrengender als Thailand, und die meisten, die beides gemacht haben, sagen dir: An Vietnam denken sie hinterher öfter. Ein Bier für unter einem Euro. Eine Schüssel Pho für €1,50. Und eine Bergschleife ganz im Norden, für die es die halbe Route überhaupt gibt.
Warum Vietnam?
Weil kein anderes Land auf dieser Route so viel auf einmal bietet, und das für etwa €25 am Tag. Berge, Höhlen, Städte, Küste und eine Esskultur, die auf Plastikhockern läuft.
- Der Ha Giang Loop, von dem noch nie jemand ruhig erzählt hat
- Zwei riesige Städte, die sich null ähnlich sind
- Pho, Banh Mi, Bun Cha und Kaffee mit Kondensmilch
- Dreitausend Kilometer Küste, die meiste davon leer
- Höhlen, Karstberge und Reisterrassen, in die du hineinlaufen kannst
- Bergpässe, wie gemacht für zwei Räder
Und weil es wirklich günstig ist. Ein Hostelbett kostet €6, ein Abendessen €1,50, und ein Bier an einer Straßenecke in Hanoi kostet weniger als der Bus, mit dem du hingekommen bist.
Beste Reisezeit für Vietnam
Die eine Antwort gibt es nicht, und wer dir eine gibt, war nur in der Hälfte des Landes. Vietnam hat drei Klimazonen übereinander, und die spielen selten alle gleichzeitig mit.
November bis April ist dein Fenster, wenn du das ganze Land machst. Im Norden ist es trocken, in der Mitte ist das Hochwasser vorbei, und der Süden ist in Bestform.
Zwei Dinge solltest du wissen, bevor du einen Flug buchst, den du nicht mehr verschieben kannst. Der Norden hat einen echten Winter: Hanoi kann im Januar tagelang bei siebzehn Grad unter grauem Nieselregen liegen, und in Sapa ist es noch kälter. Und die Mitte rund um Hue und Hoi An hat ihre Regenzeit von September bis November (in Hue bis Dezember), also genau dann, wenn der Norden am schönsten ist.
Kommst du nur wegen der Reisterrassen im Norden, dann komm im September und Oktober oder von März bis Mai. Im September und Oktober sind die Terrassen golden und kurz vor der Ernte, von März bis Mai stehen sie unter Wasser und spiegeln den Himmel.
Praktische Infos
Das hängt komplett von deinem Pass ab, und in keinem Land unterscheiden sich die vierzehn Pässe auf unserer Visumseite so stark wie in Vietnam. Reisende aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, den Niederlanden und der Schweiz reisen 45 Tage ohne Visum ein. Reisende aus Irland, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Österreich beantragen vorher ein E-Visum auf evisa.gov.vn und bekommen dafür 90 Tage. So oder so musst du zeigen können, dass du wieder ausreist, also kümmer dich um ein Weiterreiseticket, bevor du am Check-in-Schalter stehst.
Vietnamesischer Dong, und die Nullen erwischen dich. Der 20.000er und der 500.000er sind beide blau und fast gleich groß, ein Fehler um das Fünfundzwanzigfache, der nur darauf wartet, dir zu passieren. Zähl nach, bevor du etwas aus der Hand gibst, vor allem abends.
Vietnamesisch, eine Tonsprache und wirklich schwer. Englisch hörst du in Hostels und an touristischen Orten, außerhalb davon selten. Lern „xin chào“ und „cảm ơn“ und schau, wie viel weiter du damit kommst.
Sehr sicher für ein Land dieser Größe. Was Backpacker hier Geld kostet, ist nicht Kriminalität, sondern Durcheinander: Preise, die nicht vorher ausgemacht waren, Taschen, die dir in den großen Städten jemand vom vorbeifahrenden Roller aus wegreißt, und Rollerunfälle. Nimm Grab, halt dein Handy auf dem Gehweg nicht in der Hand und lies die Papiere beim Rollerverleih.
Für die Einreise ist nichts vorgeschrieben. Die meisten Reisemediziner wollen dich gegen Hepatitis A, Tetanus und Typhus geschützt sehen. Malariatabletten sind auf dieser Route kein Thema, Mückenschutz schon. Was du brauchst und wie früh du dich darum kümmerst, steht auf unserer Seite zu den Impfungen.
Unser Tagesbudget ist ein Durchschnitt für das ganze Land, mit den Fahrten zwischen den Stopps, und deshalb liegen die Stopps für sich darunter: Ninh Binh und Hue sind am günstigsten, Hanoi liegt bei etwa €20 und Ho-Chi-Minh-Stadt bei €22. Der Ha Giang Loop ist ein eigener Posten in der Rechnung: rund €25 am Tag, wenn du selbst fährst, und mit einem Easy Rider etwa €45 am Tag alles inklusive, Essen und Schlafen inbegriffen.
Backpacker-Budget: etwa €25 pro Tag
- €6Bett im Hostel
- €1,50einfaches Essen
- €0,80Bier
- €10Nachtbus
Richtwerte von unseren eigenen Reisen. Mit einer Partynacht oder einem Tauchgang wird es schnell mehr.
Das regelst du vor dem Flug nach Vietnam
Kultur und Etikette in Vietnam

Tausend Jahre China, ein Jahrhundert Frankreich, ein Krieg, den jeder außerhalb des Landes nach sich selbst benannt hat, und ein Wiederaufbau, der immer noch läuft. Das alles siehst du in einer einzigen Straße: ein chinesischer Tempel, ein französischer Balkon, ein kommunistisches Banner und ein Handyladen.
Was die meisten überrascht, ist, wie jung sich das Land anfühlt. Mehr als die Hälfte der Leute wurde nach all dem geboren, und die interessieren sich viel weniger für die Geschichte als die Besucher. Wofür sie sich interessieren: dass du dich hinsetzt und etwas isst.
Hier wird niemand mit dir streiten. Man hört einfach still auf, dir zu helfen.
Die Beherrschung verlieren ist der eine echte Fehler. Das Gesicht wahren zählt, und wer in der Öffentlichkeit laut wird, verliert viel mehr als das, worum es eigentlich ging. Bleib freundlich, lächel über das, was schiefgelaufen ist, und schau zu, wie es trotzdem geregelt wird.
- In Tempeln und Pagoden Schuhe ausziehen und Schultern bedecken
- „Xin chào“ sagen. Ein Gruß auf Vietnamesisch öffnet Türen wie sonst nichts
- Auf Märkten handeln, ruhig und mit einem Lächeln. Das wird erwartet und ist nicht unhöflich
- Dinge mit beiden Händen geben und nehmen, vor allem bei Älteren
- Jemandem an den Kopf fassen oder mit den Füßen auf etwas zeigen
- In der Öffentlichkeit ausrasten. Das beendet das Gespräch, nicht das Problem
- Geld oder ein Ticket auf den Tisch werfen. Gib es in die Hand
- Militärgebäude, Uniformen oder Kontrollposten fotografieren
Essen in Vietnam
Für viele ist das der Grund, wiederzukommen. Die vietnamesische Küche ist kräuterig, frisch und leicht, wie sonst nirgends in der Region: Berge von rohem Grünzeug als Beilage, Fischsauce statt Schärfe und fast nichts Frittiertes.
Außerdem ist sie streng regional. Der Norden isst salziger und zurückhaltender, die Mitte scharf und pingelig im Detail, der Süden süß und laut. Eine Pho in Hanoi und eine Pho in Saigon sind nicht dasselbe Gericht, und das wird man dir auch sagen.
Eine Regel regelt fast alles: In Vietnam verkauft ein Stand eine Sache. Steht Pho auf dem Schild, nimm die Pho. Ein Laden mit laminierter Karte und vierzig Gerichten ist ein Laden für Touristen.






Und dann der Kaffee. Vietnam ist der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt und trinkt ihn wie kein anderes Land: Robusta, durch einen kleinen Metallfilter getropft, über Kondensmilch und Eis gegossen. Er kostet etwa achtzig Cent und haut dir die Schädeldecke weg. In Hanoi schlagen sie Eigelb hinein. In Da Lat bauen sie ihn an.
Vietnam Reiseroute: von Nord nach Süd

Fast alle reisen in einer Linie durch Vietnam, und die einzige echte Entscheidung ist, an welchem Ende du anfängst. Von Nord nach Süd heißt: Den harten, kalten, spektakulären Teil machst du, solange du noch Energie hast, und am Ende liegst du am Strand. Von Süden nach Norden ist genau andersherum, und das machst du, wenn dein Rückflug ab Hanoi geht.
Der Norden ist Hanoi, die Kalksteinbuchten bei Cat Ba und Ninh Binh, die Reisterrassen von Sapa und die Motorradschleife bei Ha Giang. Der schönste Teil des Landes, und der kälteste.
Die Mitte sind die Höhlen von Phong Nha, die Kaisergräber und die Zitadelle in Hue, die Altstadt von Hoi An im Laternenlicht und die Küstenstraße dazwischen. Die kürzeste Strecke, mit den meisten Gründen anzuhalten.
Der Süden ist Nha Trang, Da Lat in den Bergen, die Dünen bei Mui Ne, Ho-Chi-Minh-Stadt und die Insel Phu Quoc. Heißer, flacher, schneller, und hier endet die Reise meistens.
Drei Wochen sind ehrlich gesagt das Minimum für alles. Mit zwei Wochen suchst du dir eine Hälfte aus. Mit sechs Wochen kannst du bleiben, wo es dir gefällt, und genau diese Version hätten im Nachhinein alle gern gebucht.
Unterwegs in Vietnam
Das Land ist genau auf diese Reise eingestellt, und deshalb ist die Route so ausgetreten. Jeder Stopp auf dieser Seite ist mit dem nächsten per Schlafbus, Zug oder vierzigminütigem Flug verbunden, und meistens kannst du das am Abend vorher buchen.

Der Nachtbus ist der Standard für Backpacker: eine flache Liege statt eines Sitzes, etwa €10 für eine Strecke über Nacht, und du sparst dir eine Übernachtung. Die Wiedervereinigungsbahn ist langsamer, bequemer und viel besser zum Aus-dem-Fenster-Schauen, vor allem auf dem Abschnitt zwischen Hue und Da Nang, der am Meer entlangführt. Inlandsflüge gibt es ab etwa €30, und aus einer Nacht von fünfzehn Stunden wird eine Stunde.
In den Städten nimmst du Grab. Auto oder Motorrad, der Preis steht in der App, bevor du einsteigst, und die ganze Diskussion fällt weg.
Und dann ist da das Motorrad, für viele der eigentliche Grund, überhaupt herzukommen. Der Hai-Van-Pass zwischen Hue und Da Nang, der Ha Giang Loop oben an der chinesischen Grenze, die Straße raus aus Da Lat. Zwei Dinge, bevor du aufsteigst: Vietnam erkennt nur den Internationalen Führerschein nach dem Abkommen von 1968 an, und fast jedes Zweirad, das du mieten kannst, hat mehr als 50 ccm und ist damit rechtlich ein Motorrad. Deckt dein Führerschein das nicht ab, deckt dich auch deine Auslandskrankenversicherung nicht, und das ist der teuerste Fehler, den du in diesem Land machen kannst.
- NachtbusEine Liege, kein Sitz. Etwa €10 pro Nachtstrecke
- ZugLangsamer, bequemer, und an der Küste schöner als der Bus
- FlugzeugAb etwa €30. Du gewinnst eine ganze Nacht
- MotorradHai-Van-Pass, Ha Giang. Erst den Führerschein prüfen
- GrabIn jeder Stadt. Preis steht vor dem Einsteigen fest
Vietnam für jeden Reisetyp
Vietnam belohnt Leute, die Lust auf etwas haben. Durch dieses Land treibst du nicht einfach so, und die Stopps, die am besten ankommen, sind fast immer die, für die man sich anstrengen musste.
Etwa €25 am Tag, eine Route, die so ausgetreten ist, dass du immer wieder dieselben Leute triffst, und Hostels, die komplett darauf ausgelegt sind. Schwer, das falsch zu machen.
Motorradschleifen, Höhlen, in die du dich abseilst, Canyoning in Da Lat, Kajakfahren unter Kalksteinfelsen. Dafür ist das hier das beste Land auf der Route.
Eine kaiserliche Zitadelle, Tunnel, durch die du kriechen kannst, und Museen, die die Geschichte von der anderen Seite erzählen. Unbequem, und genau deshalb wertvoll.
Dreitausend Kilometer Küste und eine Insel im Süden. Nicht so postkartenschön wie die thailändischen Inseln, dafür viel ruhiger und zu einem Bruchteil des Preises.
Machbar, aber die Strecken sind lang und der Verkehr ist heftig. Such dir lieber eine Region aus als die ganze Linie.
Allein reisen funktioniert hier richtig gut. Die Route von Nord nach Süd ist so standardisiert, dass du drei Städte später bekannte Gesichter wiedersiehst, Hostels schicken ihre eigenen Busse zwischen den Stopps hin und her, und gerade der Ha Giang Loop macht aus acht Fremden bis zum Ende des ersten Tages eine Truppe.



























