Malaysia kann sich schlecht verkaufen. Auf der Karte ist es eine schmale Halbinsel und ein Stück Borneo auf der anderen Seite des Südchinesischen Meers, und viele Reisende fahren in ein paar Tagen durch. Bleibst du eine Weile, merkst du, dass das Beste an diesem Land an den Rändern liegt: auf einem braunen Fluss in Sabah, an einem Plastiktisch in George Town oder auf einer Insel ohne Straßen an der Ostküste.
Deshalb stehen auf dieser Liste drei Orte auf der Halbinsel und zwei auf Borneo. Das ist kein Proporz. Borneo ist einfach der Teil, von dem du am Ende am meisten erzählst, und auf der Halbinsel isst du am besten und reist am leichtesten.
Also: fünf Erlebnisse, und zwar nicht in der Reihenfolge der Route. Ganz oben steht das, was dir am längsten bleibt.
1. Nasenaffen und Orang-Utans am Kinabatangan
Halb sechs am Morgen, Nebel auf dem Wasser, und der Guide stellt den Motor ab. Dann fangen die Bäume am Ufer an zu knarzen. Eine Gruppe Nasenaffen wacht auf, die Männchen mit ihren Hängenasen und runden Bäuchen, die Jungen springen von Ast zu Ast. Ein Nashornvogel fliegt tief über dich hinweg. Auf dem Schlamm liegt ein Baumstamm, der plötzlich die Augen öffnet.
Mit 560 Kilometern ist der Kinabatangan der längste Fluss von Sabah, und sein letzter Abschnitt fließt durch einen schmalen Waldstreifen zwischen den Palmölplantagen. Dadurch drängen sich die Tiere am Wasser: Nasenaffen auf fast jeder Bootstour, Krokodile, Warane, mit Glück wilde Orang-Utans und Herden von Zwergelefanten, die den Fluss überqueren. Du schläfst in einer Lodge in Sukau oder Bilit, und Pakete mit einem Bett im Schlafsaal gibt es ab etwa €110 für zwei Tage und eine Nacht.
Fahr nicht direkt hin. Fang einen Tag vorher in Sepilok an, wo um zehn Uhr morgens und um drei Uhr nachmittags Orang-Utans aus dem Wald zur Futterplattform kommen. Das Rehabilitationszentrum macht das seit 1964, und die Tiere, die auftauchen, kommen freiwillig. Danach sind es zwei Stunden weiter zum Fluss. Mehr in Was tun am Kinabatangan und Was tun in Sepilok.
Unser Urteil: der Höhepunkt von Borneo, und nimm zwei Nächte am Fluss, denn die Elefanten halten sich an keine Termine
2. Von Stand zu Stand in George Town
Nach Penang fährst du zum Essen, und das ist kein Nebenplan. Eine Schüssel Asam Laksa, sauer von Tamarinde und dick mit Makrele, kostet hier etwa eineinhalb Euro, und du isst sie auf einem Hocker neben einem Wok, der seit Jahrzehnten dasselbe Gericht ausspuckt. Du bestellst sofort eine zweite. Das sagt alles.
Das System ist einfach. In einem Hawker-Center macht jeder Koch ein einziges Gericht; du suchst dir einen Tisch, merkst dir die Nummer und nennst sie an jedem Stand, bei dem du bestellst. Asam Laksa, Char Kway Teow und Satay finden dann von selbst zu dir. Der Gurney Drive an der Uferpromenade ist der berühmteste, die Chulia Street im Zentrum der einfachste.
Und zwischen den Mahlzeiten schlenderst du durch George Town, seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe. Pastellfarbene Shophouses, Clanhäuser voller Holzschnitzereien, die Street Art von Ernest Zacharevic und die Clan Jetties, hölzerne Dörfer auf Stelzen über dem Wasser. Unser Tipp: Iss deine Asam Laksa auf dem Markt von Air Itam, am Fuß des Kek Lok Si, und nimm danach die Standseilbahn auf den Penang Hill. Mehr in Was tun in Penang.
Unser Urteil: die leckersten drei Tage deiner Reise, und rechne damit, dass vier daraus werden
3. Schnorcheln mit Haien auf den Perhentian-Inseln
Auf den Perhentian-Inseln schwimmst du vor dem Mittagessen mit Haien. Schwarzspitzen-Riffhaie, einen Meter lang und schüchterner als du, ziehen am Shark Point ihre Runden um die Felsen. Ein paar hundert Meter weiter grasen Suppenschildkröten den Meeresboden ab, während du über ihnen treibst. Eine Schnorcheltour zu fünf solchen Spots kostet etwa €10.
Straßen gibt es auf den Inseln nicht. Du läufst über die Dschungelpfade oder springst in ein Wassertaxi, und am Long Beach auf Perhentian Kecil reihen sich die Tauchschulen zwischen den Chalets aneinander. Zehn Minuten über den Dschungelpfad, und du bist in der Coral Bay und schaust zu, wie die Sonne im Meer versinkt. Viele Backpacker kommen für drei Tage und fahren mit ihrem ersten Tauchschein wieder ab.
Zwei Dinge solltest du wissen. Auf den Inseln gibt es keinen einzigen Geldautomaten, nimm also genug Bargeld aus Kuala Besut mit. Und komm zwischen März und Oktober: Danach legt der Monsun die meisten Inseln lahm. Frag außerdem nach einer Schnorcheltour, die morgens rausfährt, dann teilst du dir den Shark Point mit ein paar Booten statt mit einer ganzen Flotte. Mehr in Was tun auf den Perhentian-Inseln.
Unser Urteil: das klarste Wasser der Halbinsel, und der beste Schnorcheltag, den du für zehn Euro bekommst
4. Der Regenwald des Taman Negara
An deinem ersten Abend in Kuala Tahan isst du auf dem Wasser, in einem schwimmenden Restaurant auf dem Tembeling. Am anderen Ufer beginnt ein Wald, der seit etwa 130 Millionen Jahren dasteht. Wenn nach Einbruch der Dunkelheit die Grillen und Zikaden aufdrehen, zweifelst du nicht mehr an dieser Zahl.
Rüber in diesen Wald fährst du mit einem kleinen Boot. Dort hängt der Canopy Walk: 530 Meter Hängebrücken und schmale Planken, bis zu etwa vierzig Meter über dem Boden, für etwa einen Euro. Steig danach auf den Bukit Teresek, 334 Meter, für einen Blick über Regenwald bis zum Horizont. Und geh abends mit einem Guide und einer Taschenlampe noch mal rein, denn nach Einbruch der Dunkelheit steckt zehnmal mehr in diesem Wald, als du tagsüber gesehen hast.
Am schönsten kommst du mit dem Flussboot ab Kuala Tembeling an: etwa drei Stunden flussaufwärts, für etwa sieben Euro, mit Dschungel auf beiden Seiten. Sei am zweiten Tag um sieben an der kleinen Fähre, dann hast du den Canopy Walk fast für dich allein. Achtung: Freitags ist er geschlossen. Mehr in Was tun im Taman Negara.
Unser Urteil: zwei bis drei Tage im ältesten Wald, den du je sehen wirst, und pack Blutegelsocken ein
5. Sonnenaufgang auf dem Mount Kinabalu
Um zwei Uhr nachts klingelt dein Wecker in einer Berghütte auf 3.272 Metern. Mit Stirnlampe kletterst du das letzte Stück über nackten Granit an einem Seil entlang, und wenn du auf dem Low’s Peak stehst, auf 4.095 Metern, geht die Sonne über ganz Borneo auf. Es ist der höchste Berg der Insel und der Grund, warum viele Backpacker nach Sabah kommen.
Die Besteigung dauert zwei Tage. Am ersten läufst du vier bis sechs Stunden hoch zu den Hütten von Panalaban, und in derselben Nacht geht es weiter zum Gipfel. Ohne Guide darfst du nicht auf den Berg, und die Betten am Berg sind begrenzt. Ein komplettes Paket ab Kota Kinabalu gibt es ab etwa €550. Nimm eine warme Schicht und Handschuhe mit: Rund um den Sonnenaufgang kann es dort oben frieren, egal in welchem Monat.
Am wichtigsten ist das Timing. Buch die Besteigung vor allem anderen, am besten sechs Monate im Voraus, und bau den Rest deiner Reise darum herum. Keinen Platz bekommen? Fahr nach Kundasang an der Flanke des Bergs und schau morgens von den Gemüsefeldern zu den grauen Gipfeln über den Wolken hoch. Mehr in Was tun in Kota Kinabalu.
Unser Urteil: die härteste Nacht deiner Reise, und der Ausblick, nach dem du dich noch Jahre später sehnst
Noch Zeit übrig?
Die kühle Luft der Cameron Highlands. Auf 1.440 Metern ziehst du zum ersten Mal seit Wochen einen Pulli an. Sei gegen halb neun an der BOH-Teeplantage Sungei Palas, lauf den Pfad zwischen den Büschen hoch, solange der Nebel noch im Tal hängt, und trink erst danach deinen Tee auf der Terrasse. Von Ipoh sind es nur zwei Stunden mit dem Bus.
Kuching, auf der anderen Seite von Borneo. Eine ruhige Stadt an einem braunen Fluss, mit Orang-Utans in Semenggoh direkt vor der Stadt und Nasenaffen im Bako-Nationalpark. Fang deinen Tag an wie die Einheimischen: mit einer Schüssel Sarawak Laksa. Wie sich Sabah und Sarawak unterscheiden, steht in Borneo: Sabah oder Sarawak.
Das Wasser von Semporna. Lagunen in zehn Blautönen, der Vulkankrater des Bohey Dulang und, für Taucher, Sipadan, wo nur etwa 250 Leute pro Tag ins Wasser dürfen. Mehrere Regierungen, darunter das britische FCDO, raten von allen nicht notwendigen Reisen zu den Inseln vor dieser Küste ab, auch zu Sipadan und Mabul. Lies also die aktuellen Reisehinweise deiner eigenen Regierung und prüf deine Auslandskrankenversicherung, bevor du buchst. Alles zum Permit steht in Tauchen in Sipadan und Semporna.
Eine Insel für jede Jahreszeit. Du reist im europäischen Winter? Dann ist die Ostküste dicht, und Langkawi an der Westküste ist in Bestform. Welche Insel zu deinen Monaten passt, steht in Perhentian, Tioman oder Langkawi.
Unsere Top 5 in Malaysia
- Nasenaffen und Orang-Utans am Kinabatangan, mit einem Morgen in Sepilok vorweg
- Von Stand zu Stand essen in George Town auf Penang
- Schnorcheln mit Riffhaien und Schildkröten auf den Perhentian-Inseln
- Der Canopy Walk und eine Nachtwanderung im Taman Negara
- Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Mount Kinabalu
Schaffst du alle fünf in einer Reise?
Ja, solange deine Reisezeit passt. Die Perhentian-Inseln sind nur von März bis Oktober offen, und auf Borneo ist es von März bis September am trockensten. Reist du in diesen Monaten, passen alle fünf in eine Route: Penang und Taman Negara auf der Halbinsel, die Perhentians an der Ostküste, dann ein Flug nach Kota Kinabalu für den Berg und den Osten von Sabah. Wie das in drei Wochen reinpasst, steht in unserer Malaysia Route.
Gib Borneo mindestens eine Woche. Kota Kinabalu und der Berg brauchen drei bis vier Tage, Sepilok einen oder zwei und der Kinabatangan zwei bis drei. Nach Borneo fliegst du, denn ein Boot gibt es nicht, und ab Kuala Lumpur bist du in weniger als drei Stunden dort.
Müssten wir uns für eins entscheiden: der Kinabatangan. George Town schmeckt besser und die Perhentians sind blauer, aber ein kleines Boot bei Sonnenaufgang zwischen den Nasenaffen, mit einem Orang-Utan hoch oben im Blätterdach, ist der Moment, in dem dir klar wird, dass du wirklich auf Borneo bist. Wann jeder Teil des Landes in Bestform ist, steht in Beste Reisezeit für Malaysia.





