Singapur hat den Ruf einer Stadt voller Attraktionen: ein Freizeitpark, eine Seilbahn, Rooftop-Bars mit Eintritt. Das gibt es hier alles. Aber die Orte, von denen du nach der Reise noch erzählst, kosten meistens nichts: ein Tisch im Hawker-Center, eine Lichtshow, die du auf dem Boden liegend anschaust, ein Radweg über eine Insel, auf der die Holzhäuser noch stehen.
Das macht die Auswahl leicht. Setz ein oder zwei bezahlte Ausflüge auf deine Liste und füll den Rest deiner Tage mit allem, was die Stadt verschenkt. Worauf du wirklich achten musst, ist die Uhr: Die Shows laufen zu festen Zeiten, die Boote legen ab, wenn sie voll sind, und das Nachmittagsgewitter kommt in jedem Monat des Jahres.
Welche Sehenswürdigkeiten in Singapur verdienen also einen Platz in deinem Tag, und wann gehst du hin?
Wo du schläfst, wie du hinkommst und wie viele Tage du einplanst, steht alles auf unserer Singapur-Seite.
Essen in den Hawker-Centern
Hier isst Singapur, und hier sitzt du mindestens einmal am Tag. Ein Hawker-Center ist eine überdachte Halle voller Stände, und hinter jeder Luke steht jemand, der jahrelang an ein oder zwei Gerichten gefeilt hat. Leg ein Päckchen Taschentücher auf einen Tisch, dann ist er deiner. Lauf die Stände ab und stell dich in die längste Schlange. Singapurer stehen nicht umsonst an.
Fang den Tag mit Kaya Toast an, Toast mit Kokosmarmelade und Butter, dazu zwei weich gekochte Eier und ein Kopi. Mittags gibt es Hainanese Chicken Rice im Maxwell Food Centre oder im Chinatown Complex, in Little India isst du Roti Prata und Banana Leaf Rice im Tekka Centre, und abends gehst du zum Lau Pa Sat. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Straße an der Satay Street für die Grills gesperrt, und du isst dein Satay zwischen den Bürotürmen.
Ein Gericht kostet etwa €3 bis €4, ein Glas frischer Limettensaft einen Euro. Manche Stände haben einen Tag pro Woche zu. Hast du dein Herz an einen bestimmten Stand gehängt und die Luke ist zu, dann komm einfach an einem anderen Tag wieder. Und wenn du fertig bist, bringst du dein Tablett selbst zum Regal.
Unser Urteil: das beste Essen der Stadt ist auch das günstigste, und das ist kein Zufall
Ein Abend unter den Supertrees und an der Marina Bay
Achtzehn Bäume aus Stahl, 25 bis 50 Meter hoch, bewachsen mit Farnen und Orchideen. Tagsüber sind sie vertikale Gärten. Um 19.45 und 20.45 Uhr fangen sie an, im Takt der Musik zu leuchten, eine Viertelstunde lang, und alle legen sich auf den Boden und schauen nach oben. Mach einfach mit: Von den Pflastersteinen aus siehst du am meisten.
Danach läufst du durch den Tunnel zur Bucht. Um 21 Uhr beginnt dort Spectra, die Licht- und Wassershow vor dem Marina Bay Sands, und der Merlion, die Helix Bridge und das ArtScience Museum in Form einer Lotusblüte liegen alle auf deiner Runde. Spectra läuft auch um 20 Uhr, freitags und samstags noch einmal um 22 Uhr.
Mit der MRT fährst du bis Gardens by the Bay oder Bayfront. Die Gärten, beide Shows und die ganze Runde um die Bucht kosten nichts.
Unser Urteil: der schönste Abend der Stadt, und du gibst keinen Dollar aus
Radfahren auf Pulau Ubin
Ein kurzes Stück übers Wasser ab Changi, und du stehst in einem anderen Singapur. Auf Pulau Ubin gibt es hölzerne Kampongs, Leute radeln über Sandwege, und am Straßenrand schnüffeln Wildschweine. So sah früher ganz Singapur aus.
Das Bumboat legt am Changi Point Ferry Terminal ab, und dahin kommst du mit dem Bus ab Tanah Merah. Die Fahrt kostet S$4 pro Person (etwa €3), bar, und das Boot fährt, sobald es voll ist. Am Steg leihst du dir für etwa €6 bis €10 ein Rad für den Tag und fährst nach Chek Jawa, einem Feuchtgebiet mit einem Boardwalk über dem Wasser und einem Aussichtsturm.
Fahr früh, vor der Hitze, und nimm genug Bargeld mit: Die Boote und der Radverleih wollen am liebsten bar. Zurück am Steg warten frische Meeresfrüchte auf dich.
Unser Urteil: der schönste Tag außerhalb der Stadt, und er kostet dich weniger als ein Bier
Chinatown, Little India und Kampong Glam
Ein chinesisches, ein indisches und ein malaiisches Viertel, und vom ersten bis zum letzten Räucherstäbchen läufst du höchstens eine Stunde. Fang den Vormittag in Chinatown an, beim roten Buddha Tooth Relic Temple und beim bunten Sri Mariamman Temple. Mittags isst du in Little India, zwischen dem Weihrauch des Sri Veeramakaliamman Temple und den Saristoffen der Serangoon Road. Und zum Schluss gehst du nach Kampong Glam, wo die goldene Kuppel der Sultan-Moschee über der Arab Street aufragt.
Die Tempel und die Moschee kosten nichts. Bedeck Schultern und Knie und zieh die Schuhe aus, wo man dich darum bittet. In der Sultan-Moschee kannst du dir ein Gewand leihen, wenn deine Kleidung zu kurz ist.
Komm an einem Sonntag, wenn du Little India am vollsten erleben willst, und heb dir die Haji Lane für den Abend auf. Dann wird die schmale Gasse mit ihren Wandbildern erst richtig lebendig, mit einem Drink in einer der winzigen Bars.
Unser Urteil: ein Spaziergang, und du verstehst, warum diese Stadt so gut isst
Die Night Safari
Der erste Nachtzoo der Welt. Nach Einbruch der Dunkelheit fährst du erst mit einer Tram und gehst dann zu Fuß weiter, durch ein Gelände, das aussieht wie Regenwald, vorbei an Tigern, Nashörnern, Tapiren und Flughunden. Alles, was du in einem normalen Zoo schlafend in einer Ecke siehst, ist hier wach und unterwegs.
Geöffnet ist jeden Abend von 19.15 Uhr bis Mitternacht, und die Tram ist im Eintritt von etwa €40 inklusive. Die Night Safari liegt ganz im Norden der Insel: Plan mit MRT und Bus eine Stunde ein.
Geh direkt zur Öffnung oder spät am Abend, dann ist die Schlange für die Tram am kürzesten. Und plan sie für einen anderen Abend als die Supertrees, denn beides braucht einen ganzen Abend.
Unser Urteil: der große Posten in deinem Budget, und ein Abend, den du so schnell nicht vergisst
Jewel und der Rain Vortex
Jewel ist das Glasgebäude gegenüber von Terminal 1, und reinlaufen kannst du auch ohne Flug. Mitten in der Kuppel stürzt der Rain Vortex vierzig Meter in die Tiefe, der höchste Indoor-Wasserfall der Welt, umgeben von fünf Etagen tropischem Wald.
Schauen kostet nichts. Nur der Canopy Park ganz oben kostet Eintritt. Abends gibt es eine Licht- und Soundshow auf dem Wasser.
Am schlausten planst du es vor deinem Flug. Gib deinen Rucksack bei der Gepäckaufbewahrung ab, iss ein letztes Mal und schau dir die Show an, bevor du eincheckst.
Unser Urteil: der einzige Flughafen, an dem du gern zu früh bist
Noch Zeit übrig in Singapur?
Die Kuppeln in Gardens by the Bay
Willst du einmal rein, dann in die beiden Kuppeln neben den Supertrees, etwa €32 für beide. Im Cloud Forest windet sich ein Weg um einen 35 Meter hohen Berg aus Farnen und Orchideen, während ein Wasserfall aus dem Nebel fällt. Der Flower Dome ist das größte säulenlose Gewächshaus der Welt. Geh am Nachmittag, wenn es draußen am heißesten ist, und häng für etwa €10 noch einen Spaziergang über den OCBC Skyway zwischen den Bäumen dran.
Frühstück in Tiong Bahru
Zehn Minuten von Chinatown stehen weiße Art-déco-Wohnblocks aus den 1930ern mit runden Balkonen, dazu Buchläden und Coffee Bars. Komm morgens und schnapp dir einen Platz im Tiong Bahru Market, wo die Einheimischen für Chwee Kueh und Kopi anstehen.
Laksa in Joo Chiat und Katong
Im Osten stehen die Peranakan-Häuser in Reihen aus Mintgrün, Rosa und Gelb. Lass dich einen Nachmittag lang treiben, iss eine Schüssel Katong Laksa und fahr danach mit dem Rad den Weg am Meer entlang durch den East Coast Park.
Ein Tag im Grünen oder am Strand
Lauf die Southern Ridges über die wellenförmige Brücke Henderson Waves, oder den TreeTop Walk durch den Regenwald von MacRitchie (montags geschlossen). Lieber Sand? Lauf über den Sentosa Boardwalk von VivoCity zu den Gratisstränden Siloso, Palawan und Tanjong. Am Palawan Beach bringt dich eine Hängebrücke zum südlichsten Punkt des asiatischen Festlands.
Unsere Top 5 in Singapur
Nur ein paar Tage? Von allem, was die Stadt zu bieten hat, sind das unsere fünf:
- Jeden Tag ein anderes Hawker-Center, vom Kaya Toast bis zum Satay am Lau Pa Sat
- Ein Abend auf dem Boden unter den Supertrees, danach Spectra an der Bucht
- Mit dem Rad über Pulau Ubin bis zum Boardwalk von Chek Jawa
- Ein Tag zu Fuß durch Chinatown, Little India und Kampong Glam
- Die Night Safari, direkt zur Öffnung
Danach noch Zeit? Heb dir den Rain Vortex im Jewel für deinen letzten Abend auf, oder gib Tiong Bahru einen Vormittag.
Was musst du in Singapur denn nun wirklich machen?
Ehrlich? Du kannst hier dein ganzes Budget für Attraktionen verpulvern, aber dann verpasst du das Singapur, an das du dich wirklich erinnerst. Das findest du in den Essenshallen und auf der Straße, und das meiste davon kostet nichts.
Wenn wir nur eins aussuchen müssten, dann das Essen. Reservier dir einen Tisch mit einem Päckchen Taschentücher, stell dich in die längste Schlange und bestell an zwei Ständen gleichzeitig. Das kostet dich ein paar Euro, und in dem Moment verstehst du, warum Singapurer übers Essen reden wie der Rest von uns übers Wetter.
Und gib den Supertrees einen Abend. Leg dich um 19.45 Uhr auf den Boden, schau nach oben und lauf danach weiter zur Bucht für Spectra. Besser wird gratis in dieser Stadt nicht.





